
Abendliche Tänze
Tanztheater von Reiner Feistel
Tanztheater von Reiner Feistel
zu Musik von Sergej Rachmaninow, Charles Ives und Gustav Mahler
Drei markante Kompositionen inspirieren Reiner Feistel zu dieser Tanz-Uraufführung: Was Musik innerlich bewegt, das kann Tanz verkörpern. »Abendliche Tänze« ist eine Reflektion über die gelebte und die noch verfügbare Zeit des Daseins, ein Nachsinnen, was uns an Leben bleibt mit Empfindungen und Entdeckungen, wie wir unsere Zeit bisher verbracht haben, intensiv oder vertan?
Sergej Rachmaninows sinfonische Dichtung »Die Toteninsel« — eine von Arnold Böcklins berühmtem Gemälde inspirierte zwanzigminütige Komposition — spürt der Endlichkeit des Lebens nach. Klangmalerisch erfasst Rachmaninow den Übergang vom Dasein ins nebulöse Danach, die Unsicherheit im Moment der letzten Rückschau und des Abschieds. Die Musik lässt Totenmesse und Trauermarsch anklingen und entwickelt, kontrastiert durch lichte lyrische Momente, eine hohe Intensität als Basis für den tänzerischen Ausdruck: Ein Mensch begegnet zuletzt noch einmal sich selbst und anderen, wagt den Blick zurück — begleitet vom Tod als Tänzer an seiner Seite.
Ihren Nachhall findet die »Die Toteninsel« in der filigranen Komposition ›The Unanswered Question‹ des experimentierfreudigen Amerikaners Charles Ives: Sein 1946 uraufgeführtes Werk stellt die immerwährende Frage nach dem Sein und jagt der unsichtbaren Antwort musikalisch — und nun auch tänzerisch — nach.
Auch in Gustav Mahlers »4. Sinfonie« meldet sich der Tod unüberhörbar »wie eine Fidel«, doch schließt das Werk bei aller (auch ironisch angedeuteten) Morbidität eine ernstgemeinte Jenseits-Hoffnung auf das »himmlische Leben« ein, »mit kindlich heiterem Ausdruck, durchaus ohne Parodie«, so der Komponist selbst. Hören wir in dieser Sinfonie als »Meisterwerk« somit »ein Als-Ob von der ersten bis zur letzten Note«, wie Theodor W. Adorno meinte? Eine faszinierende musikalische Aussage, um davon ausgehend eine tänzerische Auseinandersetzung mit Tod und Erlösung zu beginnen, ist sie fraglos.
Uraufführung Samstag, 29. April 2023, 19.00 Uhr, Großes Haus
Matinée Sonntag, 16. April 2023, 11.00 Uhr, Großes Haus
Altersempfehlung 12+
Dauer ca. 2 Stunden, eine Pause
Mit freundlicher Unterstützung der »Freunde und Förderer des Ulmer Theaters e.V.«

Musikalische Leitung
GMD Felix BenderChoreografie & Inszenierung
Reiner FeistelAusstattung
Frank FellmannLicht
Marcus DenkDramaturgie
Christian StolzChoreografische Assistenz, Trainings- und Abendspielleitung
Elena LucasTrainingsleitung
Gaëtan ChaillyNachdirigat
Panagiotis PapadopoulosBallettrepetition
Giordana Rubria FioriInspizienz
Felix GoldbeckBesetzung
Media

Gabriel Mathéo Bellucci, Magnum Phillipy | Foto: Sylvain Guillot
Pressestimmen
»Es war von den Komponisten sehr wahrscheinlich nie geplant, auf diese zum Teil programmatische Musik zu tanzen. Also musste eine neue Symbiose aus Musik, Tanz und Bühnenbild entstehen für diese letzte Choreografie. In sie hat Reiner Feistel auch Anklänge eingewoben, die manch einen an vergangene große Ulmer Ballettabende erinnern könnten. Die Ausstattung lässt Feistels wunderschöne getanzte Bilder vor einer Caspar David Friedrich-Landschaft geschehen.«
Dagmar Hub // Neu-Ulmer Zeitung
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