SPIELPLAN
Fräulein Julie [14+]
von August Strindberg
Als August Strindberg 1880 sein naturalistisches Trauerspiel »Fräulein Julie« in nur 20 Tagen zu Papier brachte, konnte er wohl kaum erahnen, dass es sich zu seinem meistgespielten Theaterstück entwickeln würde.
Auch über 100 Jahre nach der Uraufführung — aufgrund von Zensurbestimmungen fand diese erst 1892 statt — fasziniert das Stück durch die provokative Betrachtung von Rollenerwartungen und sozialen Normen, persönlicher Identität und zwischenmenschlichen Beziehungen samt deren Zerbrechlichkeit.
Die junge Adlige Julie fühlt sich von den Erwartungen ihrer Umgebung eingeengt, völlig entgegen den Ansprüchen an ihr Geschlecht und ihren Stand flirtet sie mit dem deutlich älteren und ihr untergebenen Diener Jean. Der wittert die Chance auf den sozialen Aufstieg und kann den aufreizenden Avancen nicht lange widerstehen. Doch das Hinwegsetzen über den ihnen jeweils zugeschriebenen gesellschaftlichen Status bleibt nicht ohne Konsequenzen. Ein gefährlicher Kampf aus Verlangen, Macht und Unterwerfung entwickelt sich.
Weitere Informationen, Termine und Tickets finden Sie auf der Stückseite.
Die Familie Schroffenstein [12+]
von Heinrich von Kleist
Rund 200 Jahre nach Shakespeare schreibt Heinrich von Kleist seine Version von »Romeo und Julia«. Im mittelalterlichen Schwaben sind die beiden Häuser der Familie Schroffenstein, Rossitz und Warwand, seit jeher verfeindet. Grund ist ein Erbvertrag, der besagt, dass beim Aussterben des einen Stammes dessen gänzlicher Besitz dem anderen zufällt. Ein ungeklärter Todesfall erschüttert das ohnehin fragile Gleichgewicht, Rachepläne werden geschmiedet. Einzig Agnes und Ottokar setzen der Gewalt ihrer Väter die Utopie ihrer Liebe entgegen. Für einen Moment scheint es, ihre Gefühlsgewissheit könnte die Familie versöhnen …
»Die Familie Schroffenstein« ist Heinrich von Kleists Debüt, emotionsgeladen, voller poetischer Sprachkunst, spannend wie ein Thriller. Vorurteile und Missgunst trüben den Blick auf die Wahrheit — mit tragischen Folgen. In einer Gegenwart, in der politische Brandstifter verbal aufrüsten, bereitwillig zu Mitteln des Krieges greifen und eine ›Wir zuerst‹-Mentalität propagieren, ist die Frage nach den Ursprüngen von Feindschaft und Abschottung dringlicher denn je. Ist Versöhnung möglich?
Weitere Informationen, Termine und Tickets finden Sie auf der Stückseite.
Mephisto [15+]
Nach dem Roman von Klaus Mann
Bühnenfassung für das Theater Ulm von Malte Kreutzfeldt
Zwei Schauspielerkarrieren in den Wirren der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus: Der eine opfert seiner Laufbahn Freundschaften und politische Überzeugungen, der andere übt Widerstand und wird ermordet. Zwei Menschen, die bis zur Selbstaufgabe konsequent handeln im Guten wie im Üblen, entweder gewissenlos oder vom Gewissen geleitet: Es geht um den Balanceakt zwischen moralischem Anspruch und Erfolg, Integrität oder künstlerischer Erfüllung und Karriere. Und es wird die Frage gestellt nach der Verantwortung des Künstlers gegenüber der Gesellschaft, in der er lebt, nach der Funktion und Aufgabe des Theaters und den Wirkungsmöglichkeiten von Kunst.
Durch die biografische Nähe der Hauptfigur zum Schauspieler Gustaf Gründgens blieb Klaus Manns 1936 im Exil veröffentlichter Roman auch nach der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland lange Zeit verboten — ein skandalöser Umstand in der viel beschworenen demokratischen Meinungsfreiheit der Bundesrepublik.
Regisseur und Bühnenbildner Malte Kreutzfeldt setzte in Ulm mit Kafkas »Der Prozess« bereits einen anderen Klassiker der literarischen Moderne bildstark in Szene.
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Bürgerbühne 10-15: Die Welle
nach dem Roman von Morton Rhue und dem Experiment von Ron Jones
Tyrannei und Diktaturen haben bei uns keine Chance, sind sich die Schülerinnen und Schüler einig. Dazu sitzen wir in unserer Demokratie zu fest im Sattel, meinen sie. Eine Wiederholung des NS-Regimes scheint also völlig abwegig.
Nicht ganz, meint ein junger Lehrer, der seine Klasse mit einem Experiment vom Gegenteil überzeugen will. Die Prinzipien Disziplin und Gehorsam halten von nun an Einzug in die Klasse. Mit Begeisterung und Überzeugung, sich zum ersten Mal als eine Gemeinschaft zu fühlen, verfechten die jungen Leute die neuen Ideale, auch um den Preis, diejenigen auszugrenzen, die sich der Bewegung nicht mit Feuereifer anschließen wollen.
Mit Lust, an die eigenen Grenzen zu gehen und spielerisch Extreme auszuloten, setzt sich die Bürgerbühne 10–15 in dieser Spielzeit mit dem Stück »Die Welle« auseinander. Kreativ begegnen die jungen Mitwirkenden dem brisanten Stoff und transportieren die Geschichte und die Figuren ins Heute.
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Bürgerbühne Musiktheater 15-25: »Das Atelier am Bodensee« [10+]
Operette in zwei Akten
Musik und Text von Ulrich Wiederspahn
Trotz vieler Bemühungen hat das Atelier am Bodensee keinen großen Erfolg. Die neue Kunst will niemand kaufen und einzig ein schmieriger Geschäftsmann mit besonderem Interesse an der Malerin kauft vereinzelt Werke der jungen Frau, die sich den Künstlernamen Alessia Grapollo verschafft hat. Als aber eine riskante und illegale Idee um eine gefälschte Rechnung das Blatt wendet, wächst das Interesse an den Bildern der Grappolo sprunghaft an. Kritiker und Kunstliebhaber werden sich einig, Geschäftsleute besingen das Geld und auch die Politik mischt ordentlich mit im Auf und Ab des Kunstmarktes.
Mit Sinn für Pointen und viel Augenzwinkern erzählt Ulrich Wiederspahn von Seilschaften und Rivalitäten im Angesicht von Marketing, Kunst und Beziehungen. Der junge Librettist und Komponist war selbst jahrelang in der Bürgerbühne Musiktheater aktiv und nun wird seine erste Operette in seiner Heimatstadt Ulm uraufgeführt.
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