Der zerbrochne Krug
Dieses Stück wurde in der Spielzeit 2022/23 gespielt.

DER ZERBROCHNE KRUG

Lustspiel von Heinrich von Kleist

Selbstverständlich versieht ein Meister des Doppelsinnigen wie Heinrich von Kleist seinen 1808 uraufgeführten Dramentext mit dem zweideutigen Untertitel »Lustspiel«. Denn der ob der eigenen Doppelmoral und diverser anderer Hindernisse strauchelnde Dorfrichter Adam sitzt über dem wortwörtlich eigenen Fall zu Gericht: Misstrauisch beäugt vom Schreiber Licht, der düstere Geheimnisse bereits erahnt, und unter der Aufsicht des ihn kontrollierenden Vorgesetzten, des Gerichtsrates Walter, verhandelt Adam vordergründig das Entzweigehen eines Krugs von Marthe Rull, angeblich verschuldet durch Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter Eve. Dem verdächtig fahrigen Richter ist merkwürdigerweise vor allem daran gelegen, die als Zeugin vernommene Eve einzuschüchtern und den verklagten Ruprecht möglichst rasch zu verurteilen. Geht es ihm etwa darum, die Anwesenden von sich, seinem auffälligen Äußeren und der Ursache dessen abzulenken? Neben dem Krug Frau Rulls ist in der vergangenen Nacht nämlich vor allem auch die Ehre ihrer Tochter beschädigt worden, als »so Schändliches, dass es kein Mädchenmund wagt, auszusprechen«, von ihr gefordert wurde. 

Komisches und Tragisches sind hier mit derart großer Sensibilität für die Lächerlichkeit, Gefährdung und Abseitigkeit der menschlichen Existenz in die Sprache und das Handeln der Figuren eingeschrieben, in die irrwitzigen verbalen Verdunklungsversuche Adams ebenso wie in Eves beredtes Schweigen, dass dieser Text wie kein zweiter die Groteske des Daseins gedankenscharf und komödiantisch erfasst und ein — im besten Falle wissendes, bitteres oder befreiendes — Lachen auslöst.

Eine halbe Stunde vor jeder Vorstellung gibt es eine Videoeinführung im Oberen Foyer.

 

Premiere Freitag, 16. September 2022, 19.30 Uhr, Großes Haus

Matinée Sonntag, 11. September 2022, 11.00 Uhr, Foyer

Öffentliche Bühnenprobe Samstag, 10. September 2022, 9.45 Uhr (Treffpunkt Bühnenpforte)

Altersempfehlung 14+

Dauer ca. 2 Stunden 15 Minuten, eine Pause

Galerie
Trailer
Inszenierung Jasper Brandis
Ausstattung Andreas Freichels
Licht Johannes Grebing
Regieassistenz & Abendspielleitung Nemanja Leković
Soufflage Ruth Dohle
Inspizienz Oliver Eisenmenger
Mit
Markus Hottgenroth (Walter, Gerichtsrat) Frank Röder (Adam, Dorfrichter) Stephan Clemens (Licht, Schreiber) Christel Mayr (Frau Marthe Rull) Emma Lotta Wegner (Eve, ihre Tochter) Gunther Nickles (Veit Tümpel, ein Bauer) Maurizio Micksch (Ruprecht, sein Sohn) Nils Willers (Frau Brigitte)
Höreinführung

Pressestimmen

»Das Theater Ulm zeigt einen ebenso temporeichen wie doppelbödigen »Krug«. Es ist vom ersten Moment an ein Vergnügen, den Darstellern bei der fließenden Umsetzung der rhythmisierten Verse zuzusehen und zu lauschen. Das Stück hält die Waage zwischen Groteske, Drama und Komödie. Das ist, neben der frischen, intelligenten Sprachkunst Kleists, gerade auch den Darstellern zu verdanken, vorneweg Frank Röder als Adam.«

Florian Arnold // Augsburger Allgemeine

»Ein Lustspiel? Kleists gut 200 Jahre alter Wortwitz punktet allemal. Aber Regisseur Brandis setzt auf die Tragikomödie. Er treibt auch an ins Groteske: Markus Hottgenroth spielt den Gerichtsrat Walter salonlöwig fast fürs Boulevard, Brigitte mit der Perücke (Nils Willers) taucht im Hippie-Look unter Nebel wie ein falscher Deus-ex-machina auf. Es ist auch lustig an diesem Abend. Aber Brandis versammelt sein Ensemble in einem braunen, rechteckig platzierten, expressionistischen Bühnenkasten von Andreas Freichels, um erschütterte Seelen auszustellen. «

Jürgen Kanold // Südwest Presse

»Die #MeToo-Bewegung hätte man nicht besser neu verhandeln können als mit dieser Inszenierung. Noch dazu in einer derart ästhetischen Sprache.«

Iris Mann // Neu-Ulmer Zeitung