Sprachlos die Katastrophe im Bereich der Liebe
Dieses Stück wurde in der Spielzeit 2019/20 gespielt.

SPRACHLOS DIE KATASTROPHE IM BEREICH DER LIEBE

Bühnentext für mindestens eine Spielerin und einen Spieler von Henriette Dushe

»Es war doch schön«, »An was denkst Du«, »Ich muss es Dir sagen« — mit solchen vielsagend harmlosen Formulierungen kündigt sich das Ende einer Beziehung an. Unsere Sprache stellt eine Vielzahl an Ausflüchten vor der Wahrheit und Umschreibungen für das Unvermeidliche bereit, wenn ein Gefühl das andere ablöst oder ein Mensch einen anderen ersetzt in unserem Begehren und Wollen. Aus dem schier unerschöpflichen Reservoir an Worten und Sätzen — ob Floskel, Phrase, Weisheit oder alles in einem — über das doch Unsagbare, dass die Liebe schwinden kann und vergehen, konstruiert Henriette Dushe ein wehmütig feinfühliges Gedanken-, Sprech- und Spielexperiment für zwei Akteure. Diese nutzen den Fundus der Sprache der (Nicht-mehr-)Liebe, um anhand willkürlich gewählter Sprachfolien den Abgesang eines Paares auf die zusammen verbrachte Zeit zu formulieren. Um der Sprachlosigkeit trotz enttäuschter Hoffnungen und Erwartungen zu entgehen, entsteht mit dem fast rituellen Sortieren von Erinnerungen und bedeutungsvollen wie lapidaren Stichworten im Zwiegespräch wie aus vielen einzelnen Puzzleteilen das Mosaik einer Liebesgeschichte. Vom vorsichtigen Entdecken bis zum schmerzlichen Verlieren wird das Miteinander eines Paares in jeweils veränderter Erinnerungsarbeit, (Körper-)Sprache erfahrbar, als eine zunächst Glück, dann im katastrophalen Scheitern Apathie und Melancholie auslösende Begegnung. Erneut stellt das Theater Ulm nach »Lupus in fabula« einen Text von Henriette Dushe vor, in dem Menschen eine Wegscheide ihrer Existenz versuchsweise in Sprache und Aktion ausagieren — lebensklug, pointiert und empathisch.

Altersempfehlung 16+

Dauer ca. 1 Stunde 25 Minuten, keine Pause

Nacheinlass ca. 10 Minuten nach Beginn

 

Soirée Dienstag, 7. Januar 2020, 19.30 Uhr, Museumsgesellschaft Ulm E. v., Neue Straße 85, 89073 Ulm

Uraufführung Freitag, 10. Januar 2020, 19.30 Uhr, Podium

Galerie
Trailer
Inszenierung Jessica Sonia Cremer
Ausstattung Maike Häber
Musik Hans Kämmerer
Choreografie Gaëtan Chailly
Regieassistenz, Abendspielleitung & Inspizienz Moritz Vinke

Pressestimmen

»Die Schauspieler Kerkhoff und Micksch leisten dennoch Beachtliches in diesem (manchmal durchaus tänzerischen) Pas de deux, sie werfen sich aufeinander und gegen die Gitterstäbe, schreien ihre Wut heraus, vergraben sich in stiller Traurigkeit. Sie singen sogar.«

Marcus Golling // Südwest Presse

»Für schwache Nerven ist Jessica Sonia Cremers Inszenierung des jüngsten Dushe-Bühnenstücks nicht geeignet, aber Marie Luisa Kerkhoff und Maurizio Miksch verstehen es perfekt, scheinbar fast emotionslos zu spielen – gingen dem Paar doch die Gefühle längst verloren. In winzigen Untertönen jedoch toben sich die Enttäuschung und die Bitterkeit aus.«

Dagmar Hub // Neu-Ulmer Zeitung