Warten auf Godot

WARTEN AUF GODOT

Schauspiel von Samuel Beckett
aus dem Französischen von Elmar Tophoven

Wer Godot ist, das wissen die beiden lädierten Obdachlosen Estragon und Wladimir nicht. Sicher ist nur, dass sie auf ihn warten müssen. Beide versuchen, wiewohl von Gebrechen geplagt, miteinander das Ausharren zu ertragen, so gut es geht, der eine eher rational, der andere impulsiv. Das Warten verbindet sie und gibt ihnen eine vage Sicherheit in einer Welt, in der es kaum mehr lohnende Aussichten und Glücksverheißungen gibt, nur die sich schier endlos dehnende Zeit, bis vielleicht Godot erscheint. Dessen Kommen kündigt ihnen ein Bote mehrfach an, aber diese Voraussagen scheinen nicht verlässlich. Und die einzigen anderen Menschen, die ihnen während ihres Ausharrens außerdem begegnen, können, was Godot betrifft, gar keine Auskunft geben: Der ist kein Begriff für Pozzo und Lucky, die sich — ähnlich wie Estragon und Wladimir — offenbar nur durch ein eigenes tragikomisches Abhängigkeitsverhältnis am Leben halten. Was ist zu erhoffen, zu erwarten, wird jener oft beschworene Godot eine existentielle Wende, neue Orientierung ermöglichen? Wir erfahren es ebensowenig wie die beiden wartenden Landstreicher. Aber durch deren anrührende Gemeinschaft wird deutlich, dass — wie es der Philosoph Günther Anders als Qualität von Becketts berühmtestem Theatertext beschrieb — »Wärme wichtiger ist als Sinn; und daß es nicht der Metaphysiker ist, der das letzte Wort behalten darf, sondern nur der Menschenfreund.«

Matinée Sonntag, 20. September 2020, 11 Uhr, Großes Haus

Premiere Samstag, 26. September 2020, 19 Uhr, Großes Haus

Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung am Sonntag, 11. Oktober 2020, Foyer

Vis-à-Vis Gottesdienst Sonntag, 18. Oktober 2020, 10 Uhr, Evangelische Kirchengemeinde St. Thomas (Eintritt frei)

Dauer ca. 2 Stunden 20 Minuten, eine Pause (keine Nacheinlässe möglich!)

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Galerie
Trailer
Inszenierung Jasper Brandis
Ausstattung Maike Häber
Regieassistenz Joshua Taylor
Regieassistenz & Abendspielleitung Lisa Koenen
Mit
Gunther Nickles (Estragon) Frank Röder (Wladimir) Stephan Clemens (Lucky) Markus Hottgenroth (Pozzo)

Zusätzliche Rollen

Lennart Tietzel / Jannis Tietzel (Ein Junge)

Pressestimmen

»Gunther Nickles als desillusionierter Estragon und Frank Röder als Wladimir, der sich ein Glimmen der Hoffnung bewahrt hat, interpretieren den Text mit wenig Clownerie, aber viel Wärme: Dem Zuschauer wachsen die beiden Obdachlosen, die durch das Schicksal einander zu Lebensmenschen geworden sind, ans Herz. Markus Hottgenroth, mit Angeberzwirn und Klunkern wie aus der Harald-Glööckler-Kollektion, ist ein herrlich blasierter Pozzo, und Stephan Clemens spielt dessen Knecht Lucky wie ein sterbendes Tier – bis er sich in dessen berühmten Monolog wahnhaft hineinsteigert. Lachen und Szenenapplaus! […] Diese Inszenierung von »Warten auf Godot« legt nahe, dass die Kunst, das Theater die Leere füllen können, gerade jetzt, wo die Kultur wie gefesselt ist durch die Verbote und Vorgaben des Seuchenschutzes. Als am Ende das Licht auf der Bühne ausgeht, ertönen begeisterter Applaus und Bravo-Rufe für Ensemble und Regie aus dem Publikum, so laut, wie knapp 200 mit Mindestabstand im Großen Haus verteilte Menschen eben sein können. Ein glänzender Auftakt für die Spielzeit im Schauspiel, ein wichtiger Theaterabend.«

Marcus Golling // Südwest Presse

»Das Spiel beginnt mit einem starken Gunther Nickles als Estragon und einem herausragenden Wladimir, Frank Röder. Sie schaukeln sich hoch in tempostarke Gaga- und Verzweiflungsdialoge. […] Einen schillernden Auftritt legt […] ein Mann namens Pozzo hin (glänzend: Markus Hottgentroth). Gekleidet wie ein britischer Dandy aus den 20er-Jahren steppt er in die Szene, trippelt, führt dabei seinen Sklaven Lucky (Stephan Clemens) an langer Leine. Sie tanzen ein morbides Tänzchen. Die stärksten Momente des Abends fallen aber in die Stille, wenn der Fluss des sinnsuchenden Nonsens kurz verstummt. […] Aus dem Publikum hört man immer wieder Kichern und Lacher. Szenenapplaus gibt es einmal: Der vermeintlich so tumbe Lucky, im Samtanzug, mit Blondinenperücke, soll die Herren unterhalten. Was aus ihm hervorbricht, ist ein Irrsinnsmonolog am Siedepunkt der Absurdität. […] »Warten auf Godot« entwickelt am Theater Ulm existenzielle Wucht.«

Veronika Lintner // Neu-Ulmer Zeitung